Tennis
Jeweils in den Sommermonaten finden im Londoner Vorort Wimbledon die „Lawn Tennis
Championships“ statt, das als das älteste Tennisturnier der Welt gilt. Als Grand-Slam-Turnier ist es das einzige,
das noch auf Rasen ausgetragen wird. Ein Court, der gerne mal als „heiliger Rasen“ betitelt wird.
Am 9. Juli 1877 fand auf einem Gelände an der „Worple Road“ in Wimbledon erstmals das Turnier statt, das bis zum
heutigen Tage als eines der wichtigsten seiner Art betrachtet wird und dessen Prestigeträchtigkeit kaum zu
überbieten ist. Der Austragende „All England Lawn Tennis and Croquet Club“ hatte zu Beginn nur Männer zugelassen,
doch dauerte es nur bis ins Jahr 1884, ehe separate Wettbewerbe für Damen eingeführt wurden. Seit 1910 messen sich
auch Sportler aus dem Ausland an diesem Turnier. Nachdem das Damendoppel und Mixed-Doppel 1913 ins Programm
aufgenommen wurde, konnte 1922 ein neuer Tenniskomplex an der Church Road eingeweiht werden und 1937 wurden die
Meisterschaften erstmals im Fernsehen übertragen.
Zwar wurde auch in London der Tennissport modernisiert, doch behielt Wimbledon viele
traditionsreiche Eigenschaften, welche dieses Turnier unvergleichbar machen. Es bestehen seit der Gründung strikte
Kleiderordnungen – etwa, dass diese zum größten Teil weiß zu sein hat – und auch Zeremonien beim Betreten und
Verlassen des Platzes, werden nach einem traditionellen Muster gewahrt. Mit schon fast stoischer Ruhe nimmt das
Publikum die Regenpausen in kauf, die in England ja nicht selten sind. Man zieht sich zurück und geniesst Erdbeeren
mit Sahne, eine Eigenart, die ebenfalls einer alten Tradition entspringt.
Spencer Gore hieß der erste Gewinner im Jahre 1877. In den Jahren nachdem auch ausländische
Spieler zugelassen wurden, setzte sich 1920 mit dem Amerikaner Bill Tilden erstmals ein Nicht-Brite durch. Als
Rekordsieger bei den Herren gilt William Renshaw, der das Turnier in den 1880er Jahren insgesamt sieben Mal
gewinnen konnte. Diese Marke konnte erst Pete Sampras im Jahre 2000 egalisieren. Beide Sportler stehen aber hinter
dem Triumph von Martina Navrátilová zurück, die es bei den Damen auf neun Einzelsiege brachte, und die mit sechs
Siegen in Folge auch diesen Rekord noch hält. Bei den Männern brachte es der Schweizer Roger Federer in den Jahren
2003 bis 2007 auf fünf aufeinander folgende Siege.
Weil sich auf dem ungeliebten Court No. 2 schon viele Favoriten aus dem Turnier
verabschieden mussten, wird dieser spöttisch „The Graveyard“ (der Friedhof) gennant. Neben
Nachwuchsmeisterschaften, werden auf dem großen Gelände in Wimbledon heute neben dem Einzel und dem Doppel der
Herren und Damen auch ein gemischtes Doppel ausgetragen. Während die wichtigen Spiele auf dem „Centre Court“ und
„Court No. 1“ ausgetragen werden, verlieren sich die restlichen Teilnehmer in den Weiten der großen Anlage und es
soll schon Spieler gegeben haben, die sich auf dem falschen Platz eingefunden hätten, wonach gemäß Überlieferung
mit britischer Höflichkeit eine kurze Zeit eingeräumt wurde, das Match auf dem richtigen Platz doch noch
anzutreten. Obwohl die Anlage in Wimbledon schon einige Jahre auf dem Buckel hat, wird diese von Spielern und
Zuschauer gleichwohl geschätzt, denn nur in den Katakomben dieser Anlage lebe der Geist vom Tennissport und die
damit verbundenen Traditionen weiter.
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